Oh Tannebaum, oh Tannebaum… das hat mich wirklich umgehau’n

Da schreibt mir eine alte und liebe Kundin eine „Frohes Neues Jahr“ Karte und erzählt mir, dass sie Weihnachten und Sylvester bei ihren Kindern verbracht hat und Ihre Enkel sich über den tollen German Christmas Tree, also den schönen deutschen Weihnachtsbaum gefreut haben und Peter es dieses Jahr war, der die Gewürzgurke als erster entdeckt hat. Bitte? Eine Gewürzgurke im Tannenbaum?

Auch nach 10 Jahren in den USA, wo man viel Weihnachtskitsch kaufen kann, und ich ehrlicherweise auch gekauft habe, ist mir dies in New York nie begegnet. Also habe ich Jo (meiner Kundin) eine E-Mail geschrieben und nachgefragt, ob sie sich vielleicht verschrieben hat. Aber nein kam prompt die Antwort, diesen deutschen Brauch kennt sie schon von ihren Großeltern. OK.

Alle meine Versuche jemanden im Freundes- oder Bekanntenkreis zu finden, der diesen Brauch kennt schlugen fehl. Aber das Internet konnte halbwegs helfen.

Man ist sich aber auch im Internet nicht zu 100 % sicher, ob es Brauch oder Mythos ist.

Theorie 1: Es geht um einen Deutschen namens Hans Lauer bzw. John Lower, der 1842 in Bayern geboren wurde und später nach Amerika auswandert ist. Ein Nachfahre dieses John Lower notierte angeblich eine Geschichte, bei der es um eine Gurke ging: “John Lower wurde während des Krieges gefangen genommen und in Andersonville, Georgia inhaftiert. Aufgrund seines schlechten gesundheitlichen Zustandes und der Tatsache, dass er hungerte, bat er den Wärter darum, ihm vor seinem Tod noch eine Gurke zu besorgen. Der Wärter hatte Mitleid mit John und brachte ihm eine Gurke. Die Familienlegende besagt, dass John später erzählte, dass diese Gurke ihm die Kraft gegeben habe zu überleben. Wieder mit seiner Familie vereint, begann er eine Gurke im Christbaum zu verstecken. Der Person, die die Gurke am Weihnachtsmorgen fand, sollte dann das Glück während des kommenden Jahres beschieden sein.“

Theorie 2: Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Spreewald bei Berlin großflächig Gurken angebaut, und bescherten der Region großen Reichtum. Eine der traditionsreichsten Glasbläserei sitzt in Lauscha in Thüringen. Bereits seit 1597 ist das kleine Dorf für seine Glasbläserei bekannt. 1847 wurden dann die ersten Früchte und Nüsse aus Glas hergestellt, aus denen sich bald die Weihnachtsbaumkugeln entwickelten. Als Marketinggag wurde später dann auch die Gurke mit in das Sortiment aufgenommen, und in der neuen Welt als „alte Tradition“ an den Mann und die Frau gebracht.

Also ich würde Jo gerne berichten, dass an dem alten Familienbrauch etwas dran ist und nicht, dass sie seit Generation einen Werbefeldzug feiern. Daher meine Bitte: Wenn jemand diesen Brauch kennt, möge er oder sie sich doch melden.

2 Kommentare zu “Oh Tannebaum, oh Tannebaum… das hat mich wirklich umgehau’n”

  1. Caroline Kober sagt:

    allo,
    ich bin zur Zeit eine Austauschschülerin in den USA und hier hat wirklich jede Familie eine Gewürzgurke am Tannenbaum hängen, wegen der deutschen Traidition.
    Also ich selber habe das in Deutschland noch nie gesehen aber ok:-)

  2. Dieter sagt:

    Hallo,
    auch ich entdeckte eine weihnachtliche Essiggurke: Ein Stand für Christbaumschmuck am Nürnberger Christkindlesmarkt bieten diese als Glasvariante an. Auf Nachfrage, was es mit diesem Schmuck aufsich hätte, wurde mir geantwortet, dass es sich um einen alten Brauch aus Oberfranken halten würde. Und derjenige, der die Gurke als erster entdeckt, würde ein Extra-Weihnachtsgeschenk bekommen.

    Besten Gruß
    Dieter

Kommentieren