Archiv der Kategorie 'Auswanderung'

Abschiebung 1.0

am 03. November 2016 unter Auswanderung abgelegt

Ich übertreibe bzw. zitiere mal aus den gängigen Organen: „Kriminelle Ausländer sollen abgeschoben werden!“

Aber was ist mit kriminellen Inländern oder verarmten Bürgern? Die liegen dem Staat bzw. der Stadt doch nur auf der Tasche?

„Weg mit denen!“ lautete so um 1854 die allgemeine Meinung in Baden-Württemberg.

Wie kann es sein, dass eine Stadt Ihre Bürger raus haben will?  Gehen wir mal zurück in der Zeit, aber bleiben in der oben erwähnten Region.

Es herrschte Realteilung, sprich im Erbfall wurde der Hof und die zu bestellende Fläche real unter den Kindern aufgeteilt. Zwei, drei Generationen später hatte das Land, welches man erbte, die Größe einer Briefmarke. Hinzu kamen die schlechten Ernten in den 1840iger Jahren. Das Leben in den Dörfern wurden immer schwieriger und immer mehr Bürger waren auf Hilfe angewiesen. Diese wurde aus der Dorfkasse bereitgestellt, aber irgendwann ist auch diese leer.

Was taten die Leute die nichts zum heizen oder essen hatten? Sie fingen an sich woanders zu „bedienen“. Chroniken der verschiedensten Orte beschrieben es so oder ähnlich: Die Ortsarmen seien „durch Forst- und Feldfrevel für die Umgegend“ zu einer „wahren Plage geworden“.

Nehmen wir doch zum Beispiel mal den Ort Dürrn (heute knapp 1800 Einwohner).  1853 zählte man dort 880 Einwohner, zwei Jahre später nur noch 810. Klingt nicht viel, aber die „fehlenden“ Personen wurden abgeschoben. Im Rathaus fing man irgendwann an zu rechnen. Jedes Jahr musste die Stadt ca. 400 Gulden für die öffentliche Suppenküche aufbringen. Man rechnete mit einem weiteren Anstieg der jährlichen Kosten, da der arme Bevölkerungsteil stetig wuchs. „OK“, dachte die Denker der Stadt, „verfrachten wir die Armen nach Amerika und wir sind die jährlichen Ausgaben für Suppenküche und sonstige teuren Unterstützungen los“.

Gesagt – getan. Der Gemeinderat beschloss ein paar Tausend Gulden aufzunehmen und die Auswanderer mit Kleidung, Schuhen und Koffern auszustatten und natürlich auch die Reisekosten wurden damit beglichen. Damit diese auch nicht nur die Klamotten einsackten, begleitete man diese bis Mannheim wo sie dann einer Auswanderungsagentur zu treuen Händen überlassen wurden.

Einige Namen der Zwangsauswanderer sind ja bekannt. Ich habe mal versucht etwas über den weiteren Lebensweg der ausgewiesenen in den USA zu finden, aber habe so auf die schnelle nichts wirklich passendes gefunden. Es tauchen zwar einige der Namen in den Volkszählungslisten auf, aber die Daten stimmen halt nicht ganz.

Dem Städtchen Dürrn hat die Zwangsmaßnahme nicht geschadet. Man konnte relativ schnell die Schulden zurückzahlen und dank der wachsenden Pforzheimer Schmuckindustrie fanden auch viele der „ärmeren“ Einwohner eine Beschäftigung.

Liebe Grüße aus Hamburg und viel Erfolg bei der Forschung.

Ihre Andrea Bentschneider

 

 

Deutsche Welle

am 10. Juli 2015 unter Allgemein, Auswanderung, Internet, TV abgelegt

Im Juni 2015 hatten wir das Vergnügen, das Ehepaar Vaughan und Noelle Smith aus Australien bei deren Reise auf den Fußspuren seiner Vorfahren vor den Toren Hamburgs zu begleiten. Dieses emotionale Abenteuer wurde von einem Kamerateam des Deutschen Welle TV begleitet.

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Am 11. Juli 2015 wird der dabei entstandene Film in der Sendung „Hin und Weg“ ausgestrahlt werden. Besuchen Sie www.dw.com/hinundweg für Sendezeiten bzw. um den Beitrag anzusehen. Sollten Sie die Sendung verpassen, kann sie jederzeit nach dem 11. Juli auf der Webseite www.dw.com/hinundweg unter „Video on demand“ angesehen werden.

Andrea Bentschneider

Warum ist mein Vorfahr eigentlich…

am 02. Juni 2015 unter Allgemein, Auswanderung, Historische Dokumente, Wissen abgelegt

…ausgewandert …umgezogen… hat sich von der Frau getrennt oder oder oder???

Es treten manchmal in der Familienforschung Fragen auf, die sich nur schwerlich oder eventuell gar nicht beantworten lassen.

Es gibt diverse Gründe warum zum Beispiel eine Person um 1870 ausgewandert sein könnte. Religiöse Verfolgung, „drücken“ vor dem Militärdienst, finanzielle Not oder er hat ein Mädel geschwängert und „ist stiften gegangen“. Wenn Sie keine Einzelheiten kennen, werden Sie diese wohl auch nie erfahren. In solch einem Fall kommt es natürlich darauf an woher die Person stammt.

Als Beispiel: Der alte Bauer stirbt und es galt im dem Staat oder Herzogtum die „Realteilung“, sprich der Hof wurde unter allen Kindern gleichmäßig verteilt. Nach 2, 3 Generation könnte man dann noch eine Fläche so groß wie ein Handtuch sein eigen nennen. Das reichte natürlich nicht als Existenzgrundlage.

PS: Realteilung, da Landbesitz früher als „Realitäten“ bezeichnet wurden.

Womit wir auch schon beim nächsten Thema sind: Andere Zeiten- Andere Bedeutung!

Sagt heute jemand „geheim“ meint er vertraulich, hintern oder inoffiziell, früher war „geheim“ ein Ausdruck für „mit einer Sache vertraut sein“ – Geheimrat oder das Geheime Preußische Archiv.

„Der Typ ist aber geil!“, in den 80igern hieß das „toller Typ!“, ein paar Jahre vorher war „Geil“ noch ein Ausdruck für … naja Sie wissen schon 🙂

Oma sagte zu flirtenden Männern Poussierstängel. Meine Muhme hat mir immer…. Sie kennen Muhme nicht? Alter Ausdruck für Tante. Der Oheim war das männliche Pendant, also der Onkel.

Und wenn Sie einen Vatermörder tragen, haben Sie keinen gehbehinderten Killer auf dem Arm, sondern ein Hemd mit Stehkragen.

Ohh ich verzettel mich schon wieder…

Zurück zum Ausgangsthema: Warum Uroma sich von Uropa getrennt hat, werden Sie wohl nie zu 100% klären können. Klar, es gibt in der Familie die Geschichte, „dass er immer….“ Aber Sie wissen ja selber, dass nur knapp 50% dieser Familiengeschichten oder Gerüchte wahr sind.

Ihre Andrea Bentschneider,

…früher mal Bendschneider, denn mein Vorfahr konnte nicht lesen und Schreiben und hat seine Eheurkunde so unterschrieben:

Zwischenablage01

Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte!

 

Rätsel oder nicht alles glauben..

am 05. August 2014 unter Ancestry.de, Auswanderung, Historische Dokumente, Internet abgelegt

Wer bin ich?

Ich bin mexikanische Malerin und mein markantestes Merkmal ist meine fast durchgehende Augenbraue…

Richtig, ich bin Frida Kahlo!

Ich (also ich Andrea) habe gestern den Film über Frida auf DVD geguckt… Frida klingt ja eher nicht so mexikanisch… Also surft man ein wenig im Internet und stellt fest, dass ihr Vater Guillermo Kahlo ein gebürtiger Kerl aus Pforzheim ist.

Wenn man dann nach dessen Ausreise sucht, stößt man auf unterschiedliche Daten. Fest steht, dass Wilhelm (so sein Taufname) Kahlo im Mai 1890 von Hamburg aus nach Mexiko gefahren ist.

Wikipedia und das Hamburger Abendblatt haben wohl voneinander abgeschrieben, denn bei beiden wird das Ausreisedatum als 25. Mai 1890 angegeben.

Kurzer Blick auf die Originalpassagierliste zeigt aber den 12. Mai 1890 als Abfahrtstag. Quelle Passagierliste: Ancestry.de

Passagierliste Im Artikel vom Hamburger Abendblatt, das es sich bei der „Borussia“ um einen Frachtdampfer handelt. Hmm, stimmt nicht so ganz, denn wie Sie hier sehen können, war das Schiff für zahlende Passagiere ausgelegt.

Das oben markierte „hier“ sollten Sie sich unbedingt ansehen, denn es schildert eindrucksvoll, wie so ein Auswandererschiff funktionierte bzw. was es so alles bot.

OK, worauf will ich hinaus?

 

Das Internet bietet uns Forscher immer mehr Hilfe in Sachen Forschung an. Sei es öffentliche Stammbäume die jemand ins Internet stellt oder sonstige Seiten zum Thema. Tolle Sache, aber bitte nicht alles so übernehmen wie es im Internet steht. Als Tipp oder Hinweis sehr gerne, aber wie sagte mein Opa immer: „Mien Deern, nicht alles Glauben was Du liest“.

Also leiber einmal mehr prüfen, als später falsche Daten im Stammbaum…

Ihnen eine schöne Woche,

Andrea Bentschneider

 

Hilfe bei der Forschung

am 18. Februar 2014 unter Auswanderung, Historische Dokumente, Internet, Prominente abgelegt

Normalerweise stelle ich hier ja keine Hilfegesuche als Beitrag rein, aber ich habe eine Mail von den britischen Inseln erhalten die finde ich einfach so klasse….

Also da Heiratet 1938 ein deutscher Löwenbändiger namens Kaden in Schottland eine poetische Schriftstellerin.

Hier die Heiratsurkunde…

Soll vorkommen, sagen Sie jetzt wahrscheinlich, aber die Ehefrau Vera Husing, geborene Lüdtke war die Tochter eines deutschen Landbesitzers. Tja und? OK, beide, er 35 Jahre alt und sie gerade mal 25 Jahre alt waren bereits geschieden.

OK Und?

Naja, einen Monat vor der Heirat überlebte die Ehefrau eines der größten Eisenbahnunglücke Schottlands ohnen einen Kratzer! Bei diesem Unglück starben 35 Personen und knapp 180 wurden zum Teil schwer verletzt.

DAS war dann auch den Zeitungen eine Meldung wert:

Aha und nun?

Naja, die BBC und in Schottland versucht man nun herauszufinden, was aus den beiden geworden ist und bittet um Mithilfe.

Also wenn Sie etwas darüber wissen, seien Sie so gut und schreiben eine E-Mail an :

press@scotlandspeople.gov.uk

Ihre Andrea Bentschneider

PS: Der Herr Kaden soll wohl ein Start zu seiner Zeit gewesen sein, aber außer ein paar „naja, das könnte er sein“ Bildern habe ich im Internet nichts großartiges gefunden.

Ancestry for free

am 30. August 2013 unter Ancestry.de, Auswanderung, Historische Dokumente, Internet abgelegt

Nur mal so zwischendurch zur Info:

Passagierlisten etc. frei einsehbar für Jeden bis zum  2. September. Weiteres auf dem folgenden Bild (Anklicken zum vergrößern)

 

 

 

 

Ansonsten: SCHÖNES WOCHENENDE

Ford Automobile

am 23. Juli 2013 unter Ancestry.de, Auswanderung, Fotos, Historische Dokumente abgelegt

OK, Detroit ist offiziell Pleite, aber meine Geschichte spielt weit früher:

Heute vor 110 Jahren verkaufte Ford sein erstes Automobil, ein Ford Modell A.

Erworben hat es ein  Dr. Ernst Pfenning aus Chicago, Illinois

Der alte Henry Ford hat ihm persönlich den Wagen (hmm kann man das schon Auto nennen?) übergeben.

Dr. Ernst Pfenning klingt nicht gerade sehr amerikanisch, eher deutsch…

Mal sehen…

OK, ganz einfach. Dieser Mann stammt aus Obhausen im schönen Sachsen-Anhalt.

 

Wie ich darauf komme?

Der gute hat 1893 einen Antrag auf die US Staatsangehörigkeit gestellt und dort stehen alle Daten über ihn drin.

Im Umkreis von 10 Kilometern wohnen laut Telefonbuch immer noch ein paar Personen mit dem Nachnamen Pfennig. Ob die wohl heute Rabatt bei Ford bekommen, wenn sie die Verwandtschaft nachweisen?

Ihre Andrea Bentschneider

The Good, the Bad and the Ugly

am 28. Mai 2013 unter Auswanderung, Fotos, Internet, Prominente, Tipps und Tricks abgelegt

in Deutschland hieß der Film „Zwei glorreiche Halunken“ und ist neben der Tatsache, dass er zu Schatzis Lieblingsfilmen zählt, außerdem ein als Klassiker des Italo-Western.

Wenn Sie Lautsprecher an haben, werden Sie die Melodie sofort erkennen. Der „gute alte Clint Eastwood“!

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Sackgasse?

am 24. Mai 2013 unter Auswanderung, Fotos, Historische Dokumente, Internet abgelegt

Sie sind mit Ihrer Forschung in einer Sackgasse gelandet? Sie kommen nicht mehr weiter?

Mal wieder etwas aus der Praxis: Ich habe von einer Frau aus Deutschland hier eine Mail erhalten (Namen werde ich alle ändern). Sie hat einen ancestry account und hat in den Dokumenten aus den USA Ihre ausgewanderten Vorfahren auch gefunden, aber plötzlich sind diese verschwunden und tauchen nicht mehr auf. Was tun?

Also um den Namen der Frau nicht zu nennen, nehme ich einfach mal den Nachnamen von Schatzi: Stullich.

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Das zweite Ei des Kolumbus

am 23. August 2011 unter Allgemein, Auswanderung, Internet, Wissen abgelegt

Wie Bernd Scholze im Kommentar so richtig sagt:

„Aber aufgeben sollte man auch nicht…“ Es geht um ausgewanderte Vorfahren und die zum Teil schwierige Suche nach Daten.

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