Ja wann denn nun???

Es ist ja wieder an der Zeit und es werden die neuen Kalender für 2008 angepriesen. Aber ich will nicht auf diese eingehen, sondern um die alten, nee nicht die von 1998 oder so, sondern Französischer Revolutionskalender, Gregorianischer Kalender, Julianischer Kalender, Genealogischer Kalender und Co.

Es begab sich zu der Zeit im Jahre 325 n. Chr., als auf dem Ersten Konzil von Nizäa festgelegt wurde, dass das Osterfest immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlings-Anfang (bezogen auf Jerusalem) gefeiert werden sollte.

Schön und gut, aber der damals gültige Julianische Kalender ging von einem mittleren Sonnenjahr von 365,25 Tagen aus und glich die Differenz (bezogen auf 365 Tage) von annähernd 6 Stunden alle vier Jahre durch die Einfügung eines Schalttags aus. Gegenüber dem von dem tatsächlichen Gang der Himmelsmechanik astronomisch vorgegebenen Sonnenjahr, das 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden dauert (365,24219879 Tage), war das Jahr des Julianischen Kalenders also etwas mehr als 11 Minuten zu lang. Die Jahre zogen ins Land und zur Zeit Papst Gregors XIII., hatte sich dieser Fehler bereits so ausgewirkt, dass das Primar-Äquinoktium (= Frühlingsanfang) im Jahr 1582 schon am 11. März stattfand. Also musste eine Lösung des Problems her.

Seit dem 14. Jahrhundert wurden immer wieder Vorschläge für eine Kalenderreform unterbreitet, zum Beispiel durch die Nikoläuse von Kues und Nikolaus Kopernikus. Diese wurden aber stets abgelehnt, bis schließlich Papst Gregor XIII. die Nase voll hatte und auf Basis von Kopernikus‘ Werk „Von den Umdrehungen der Himmelskörper“, den Prutenischen Tafeln von Erasmus Reinhold und dem Vorschlag des Mediziners und Hobby-Astronomen Aloisius Lilius bestimmte, dass im Jahre 1582 zehn Tage übersprungen werden sollten. Daher folgte auf den 4. Oktober gleich der 15. Oktober und Schwupps gab es den Gregorianischen Kalender. Die Abfolge der Wochentage blieb dabei jedoch unverändert. Folgerichtig fand das Primar-Äquinoktium ab dem Folgejahr 1583 wieder exakt am 21. März statt. Damit war die Ausgangslage, wie vom Konzil zu Nizäa 325 festgelegt, wiederhergestellt.

Die Franzosen haben während ihrer Revolution (1789 bis 1799) im Jahre 1793 dann mal kurzerhand folgendes beschlossen: Vom 24.10.1793 (und damit ab 1795 auch im linksrheinische Teil des heutigen Deutschland) bis zum 1.1.1806 galt der neue Französische Kalender. Es gab 12 Monate à 30 Tage. Am Ende des Jahres wurden 5, in Schaltjahren 6, Ergänzungstage hinzugefügt.

Hier stellt sich mir allerdings die Frage, was steht in der Geburtsurkunde wenn eine Person am 30. Dezember Geburtstag hatte???????

Womit wir zum nächsten Problem kommen. Es gibt ja auch Dinge über die man sich nur wundern kann:

Im Taufbuch von Hassleben aus dem Jahre 1803 findet sich ein Eintrag vom 31. Februar, dass kann ich allerdings durch keinen Kalender erklären. Mein Dank gilt hier meinem Kunden Herrn D., der dieses Fundstück zu Tage gefördert hat.

Der arme Kerl (er hieß Johannes). Aber genauso verhält es sich doch heute wenn man im Schaltjahr am 29. Februar geboren wurde. Eigentlich hat man nur alle vier Jahre Geburtstag.

Apropos Geburtsjahr, ich hatte letzte Woche eine Anfrage per E-Mail von einer Frau die Urkunden Ihrer Ur-Großmutter suchte. Sie soll im Jahr 1250 geboren sein.

HÄ 1250???? Sagen wir mal ein Mensch wird im Schnitt 70 Jahre alt….. Die Person, welche die Anfrage geschickt hat müsste also rein rechnerisch bereits ca. 650 Jahre alt sein. Na das nenne ich doch einen Rekord.

Schnell stellte sich heraus, dass die Ur-Großmutter 1250 nach islamischem Kalender geboren wurde, also so um 1830 nach dem Gregorianischen Kalender…

Apropos alt: ich hatte vor ein paar Jahren ein Dokument gefunden, wonach mein Vater im Jahr 1897 geboren worden sei. Da hat dann mal jemand kurz aus dem eigentlichen Geburtsjahr (19)37 eine (18)97 gemacht. Papa findet’s klasse: er hat jetzt eine Ausrede, wenn er sich alt und müde fühlt und ist stolz drauf, mit 110 Jahren Deutschlands ältester Autofahrer zu sein. Also immer schön die Daten überprüfen und schauen, aus welchen Quellen die Informationen stammen.

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