Es geht mir langsam auf den …

„Ossis sind faul und Wessis arrogant“ und mit der Mauer war eh alles besser. Günther Jauch dann macht dann noch eine „Ost gegen West“- Show zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung. Leute kapiert endlich, dass es gibt kein Ossi und Wessi Kram mehr gibt. Wir sagen ja auch nicht so etwas wie „Wir Nordis sind schlauer als die Südis“ oder ähnlichen Blödsinn.
Aber es geht in diesem Beitrag über Besonderheiten bei der Ahnenforschung in der ehemaligen DDR.

Im Prinzip geht die Suche nach Personenstandsurkunden (also Standesamtsurkunden), die in der ehemaligen DDR ausgestellt wurden, genauso wie auf dem Gebiet der BRD.

Allerdings gibt es einige Ausnahmen zu beachten.

Eine Besonderheit ist die so genannte Personenkennzahl (PKZ). Diese wurde am 1. Januar 1970 eingeführt. Ab 1970 Geborenen wurde die Personenkennzahl beim Eintrag in das Melderegister zugeteilt, älteren Personen per Postkarte zugeschickt. Sinn und Zweck war die Errichtung einer  Zentralen Personendatenbank (Sitz in Berlin-Biesdorf). Aufgabe der ab 1984 voll funktionsfähigen Datenbank war es, Personendaten des Zentralen Büros für Personenangelegenheiten zu sammeln und zu speichern.

Als Beispiel:
190972-4-2829-7
TTMMJJGMMMNP

Die zwölfstellige Personenkennzahl war wie folgt aufgebaut

TT: Geburtstag
MM: Geburtsmonat
JJ: Geburtsjahr (zweistellig)
G: Jahrhundert der Geburt und Geschlecht
2: männlich, vor 1900 geboren
3: weiblich, vor 1900 geboren
4: männlich nach 1900 geboren
5: weiblich, nach 1900 geboren
MMM: Schlüsselnummer des eintragenden Melderegisters, bei vor 1970 Geborenen wurde die Schlüsselnummer der Meldestelle des Wohnorts verwendet
N: Fortlaufende Nummer innerhalb des Geburtstages
P: Prüfziffer zur Kontrolle

Bei der Nummer 190972-4-2821-7 handelt es sich also um einen am 19. September 1972, nach 1900 geborenen Mann, Meldereister Karl-Marx-Stadt (282) plus N und P

Eine genaue Aufstellung der DDR-Meldereister Nummern finden Sie hier.

Womit wir bereits bei der nächsten Besonderheit wären, denn Karl-Marx-Stadt gibt es ja bekannter weise nicht mehr. Karl-Marx-Stadt gab es ja nur zwischen dem 10. Mai 1953 und dem 31. Mai 1990, denn vorher und nachher hieß bzw. heißt die Stadt ja Chemnitz.

Kurioses am Rande:
Der frühere DDR-Städtename Karl-Marx-Stadt darf nicht aus dem Personalausweis verbannt werden. Der Mannheimer Verwaltungsgerichtshof (VGH) wies eine entsprechende Klage einer gebürtigen Chemnitzerin zurück, die ihren Geburtsort-Eintrag „Karl-Marx-Stadt jetzt Chemnitz“ aus dem Ausweis streichen lassen wollte. In dem am Freitag veröffentlichten Urteil heißt es, mit dem Eintrag werde ihre Identität zweifelsfrei festgestellt. Chemnitz war zu DDR-Zeiten 1953 in Karl-Marx-Stadt umbenannt worden und erhielt im Gefolge der Wiedervereinigung 1990 seinen alten Namen zurück. Die Klägerin hatte vergeblich argumentiert, sie habe sich in der DDR wegen der Bezeichnung Karl-Marx-Stadt diskriminiert gefühlt.

Das Problem mit dem Ausweis ist aber, dass dort nicht „Karl-Marx-Stadt jetzt Chemnitz“ steht, sondern aus Platzmangel nur „Karl-Marx-Stadt J Chemnitz“.

Also wenn Sie einen Ort nicht finden können, mal ein wenig forschen, ob dieser eventuell auch umbenannt wurde.

Darauf ein Stück Blockschokolade und einen Schluck Coca Cola…

PS: Und den Beweis, dass Ost und West  zusammen einfach besser sind gab es ja bereits 1960, als bei den Olympischen Spielen Friedhelm Wentzke und Paul Lange (BRD) und Günther Perleberg und Dieter Krause (DDR) gemeinsam im Kanu-Staffel-Wettbewerb Gold gewannen.

4 Kommentare zu “Es geht mir langsam auf den …”

  1. H. Gruber sagt:

    Hallo Andrea,

    Ich gebe dir vollkommen Recht, es gibt kein Ost-West Kram (wie Du es nennst) mehr, wurde aber auch Zeit, denn schließlich ist die Wiedervereinigung bereits 20 Jahre her.

  2. uzwickel sagt:

    hi Andrea u. H. Gruber,

    zu Eurer Meinung – hier meinen Senf!

    Es sollte kein „Ossi – Wessi“ Gerede mehr geben – doch wissen die Anderen das auch?

    Wenn ich auf die Löhne u. Gehälter schaue ( auch für Selbständige ) oder, wo es noch deutlicher wird – auf die Renten!!! – dann haben wir noch lange das von Euch gewünschte Ziel nicht erreicht. Aber, bis sich das angepasst hat, leben die ehemaligen DDR-Bürger wohl nicht mehr und das UNGERECHTIGKEITSGEFÜHL/ BEHANDLUNG stirbt von allein aus!

    Ist wie aussitzen!

    LG Ulli

  3. uzwickel sagt:

    das wir gemeinsam besser sind, muss bei der Wiedervereinigung wohl übersehen worden sein, denn warum mussten nur die Ostdeutschen umlernen?

    Warum hat man sich nicht, wie füher vorgesehen ein „gemeinsames – NEUES – Grundgesetz gegeben? Unsere Erfahrungen – auf welchem Gebiet auch immer, galten nichts – es musste der ganze Mist – weil es in der BRD eben so war – übernommen werden. ( siehe Kinderkrippen – Schulbildung/Abi – Berufsausbildung ) Hier hätte man viel von unseren guten Erfahrungen übernehmen können, nein , statt dessen werden Studienabschlüsse/ Berufsausbildungen nicht anerkannt.

    Ist, als ob wir vor 1990 nicht gelebt hätten – ist das gut???

    Wo ist mein Leben hin?

  4. uzwickel sagt:

    ach so – guter Beitrag!

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