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Können Sie?

Klar kann ich! Also der Reihe nach. Ich erhielt eine Mail mit der Bitte, ich möge doch mal etwas über Fußball und Ahnenforschung schreiben. Tja, da wundern Sie sich sicherlich auch. Wo ist denn da ein Zusammenhang zu finden… Aber wo eine Bitte ist, ist auch…

… tja keine Ahnung wie der Satz enden könnte. Aber sei es drum. Ich habe also meine grauen Zellen angeworfen und habe überlegt und überlegt.

Gerade saßen Schatzi und ich am Wochenende bei herrlichem Sonnenschein draußen im Garten bei Kaffee und Erdbeerkuchen als es an der Tür klingelte. Torsten unser Nachbar von oben hatte wohl den Kaffeeduft in die Nase bekommen und kam „spontan“ mal vorbei. Dazu muss ich sagen, dass Torsten totaler SV Werder Fan ist. Komplett mit Aufkleber am Auto, Bremen Bettwäsche und das volle Programm. Aber daraus lässt sich leider kein Beitrag zaubern. Auch die Tatsache, dass „uns Uwe“ also der „ich sag mal“ Uwe Seeler in der Parallelstrasse geboren wurde, taugt nicht für einen Beitrag.

Aber dann: In den Nachrichten wurde gemeldet, dass der FC St. Pauli nächste Saison wieder in der 1. Bundesliga spielt. OK, da haben wir doch was! Also die Kiezkicker, das Freudenhaus der Liga, ist wieder Erstklassig. Und nun? Fangen wir mal bei mir an. Der Hamburger Stadtteil St. Pauli oder wie wir Hamburger sagen der Kiez ist ja heutzutage die Amüsiermeile. Man geht dorthin um zu trinken, feiern, essen oder in Diskotheken zu tanzen oder abzappeln wie Schatzi dazu sagt. Aber das war ja nicht immer so.Namenspatron für das Stadtviertel und den Fußballverein war der heilige Paulus. Schon komisch, dass ein Gebiet welches heute eher durch Laster, Prostitution etc. bekannt ist, nach einem Heiligen benannt ist.

Aber St. Pauli heißt erst seit knapp 160 Jahren so. Das Gebiet wurde Jahrhundertelang nur der “ Hamburger Berg “ genannt, weil es dicht bewaldet und natürlich „bergig“ war. So um 1295 herum wollten die betuchten Hamburger dann nicht mehr in Holzhäusern wohnen und es wurden der im „Hamburger Berg“ enthaltene Ton und Sand abgebaut und dadurch der Berg langsam eingeebnet. Irgendwann stand dann der 30-jährige Krieg vor den Toren Hamburgs und es  mussten neue Verteidigungsanlagen gebaut werden.

Die Fußballer des FC. St Pauli heißen ja auch die „Kicker vom Millerntor“ und eben dieses Millerntor wird aus Holz errichtet und soll angreifende Feinde abwehren.Schade nur, dass die Bewohner des langsam schrumpfenden Hamburger Berges nun außerhalb der Stadt wohnten und wenn sie ihre Waren in Hamburg verkaufen wollten, sie genauso behandelt werden wie Händler aus umliegenden großen Städten und anderen Staaten, also wie Ausländer.

Zeitsprung zum 27. März 1682, der Grundstein für die St. Pauli Kirche wird gelegt und nach 21 Wochen Bauzeit wird diese fertig gestellt. Tja, damals wurde noch rangeklotzt, aber die damalige Kirche hat mit dem heutigen Steinbau natürlich nichts gemein.

Noch mal ein Zeitsprung in das Jahr 1816: Die ersten „Dampfschiffe“ wollten im Hamburger Hafen festmachen. Der Hamburger Senat sieht die Dampfschiffe als Gefahr für die im Hafen ankernden Segelschiffe und somit müssen sie außerhalb des Hafens ankern. Außerdem fühlten sich die Damen und Herren der Hamburger Gesellschaft davon gestört, die damals noch ihre Stadt- oder Winterwohnungen auf dem Gelände der heutigen Speicherstadt bzw. Hafencity hatten. Die „Dampfschiffe“ im Jahr 1816 haben selbstverständlich nichts mit der heutigen Queen Mary 2 oder den Aida Schiffen zu tun. Hierbei handelte es sich um Segelschiffe, die eine Art Hilfsmotor an Bord hatten, der halt sehr viel Dreck und Gestank verursachte. Das erste reine Dampfschiff gab es erst 1889.

Jedenfalls wurden die Anlegeplätze in der Höhe des Hamburger Berges etabliert – heute die St. Pauli Landungsbrücken. Mit den Dampfschiffen kamen auch die Matrosen und St. Pauli wurde zum Vergnügungsviertel. Kneipen und andere Etablissements schossen wie Pilze aus dem Boden. Der Kiez war geboren, 1819 bzw. 1820 wird die St. Pauli Kirche in ihrer heutigen Erscheinung errichtet. Das „Reglement der öffentlichen Verhältnisse“ des Senats besagt, das die “ Vorstadt, bisher Hamburger Berg benannt, von nun an nach der dortigen Kirche, Vorstadt St. Pauli zu benennen ist.“

1910 der FC St. Pauli wird gegründet, der ja nicht nur für die „Kiezkicker“ berühmt ist, Sie erinnern sich sicherlich an die Beiträge über die Rugby-Damen des FC St. Paulis.

Ende der Geschichte.

Also ich weiß, dass was Sie gerade gelesen haben, nur indirekt mit Fußball zu tun hat. Aber die Geschichte erklärt, warum die Fußballer die „Kicker vom Millerntor“ heißen und warum der FC St. Pauli so heißt und nicht etwa FC Hamburger Berg und warum das Millerntorstadion das „Freudenhaus der Liga“ genannt wird.

Was will ich Ihnen also sagen?  Forschen Sie auch ruhig mal in der Geschichte Ihrer Stadt oder Ihrer Strasse. Sie werden Erklärungen für „dies und das“ bekommen, die eventuelle Fragen in Ihrer eigenen Forschung beantworten.

Apropos FC St. Pauli: Wenn Sie richtig gerechnet haben, feiert der Verein dieses Jahr seinen 100. Geburtstag.

Komisch, den FC St. Pauli mag fast jeder. 2003, als der Verein fast pleite war, bekannte sich sogar der damalige Bayern Boss Uli Hoeness dazu, ein Pauli Fan zu sein und er kam mit seiner kompletten A-Mannschaft, um Geld zu sammeln:

Das Bild vom Uli, habe ich auf der Seite vom NDR gefunden. Und ich glaube „Das Beste am Norden“ (so deren Slogan) wird nix dagegen haben, dass ich das Bild verwende und die Internetseite erwähne.

Apropos Retter: Das Shirt kann man in FC St. Pauli Shop erhalten.

Es ist nun gerade ein Buch erschienen, in dem sich diverse Promis an ihre Erfahrungen rund um den Kiezclub erinnern.

Das Buch hat 192 Seiten und diverse Abbildungen. Es kostet € 9,95  und ist nicht nur für Fußballfans eine schöne Lektüre.

ISBN 978-3-499-62657-9

Lesenswert!!! Ich dachte ja zuerst, naja Promis erzählen kurz etwas und blabla, aber das Buch ist echt witzig zu lesen und ist zur Zeit meine abendliche Bettlektüre. So schlafe ich dann immer mit einem Lächeln auf den Lippen ein.

Also ich hoffe, dass war nun genug über Fußball!

PS: Wenn Sie mal in Hamburg sind, besuchen Sie ein Spiel von den Kiezkickern. Ich habe mit Fußball ja nicht viel am Hut, aber auf Pauli stimmt die Stimmung und die Spiele sind eher wie eine große Party. Da steht der Banker im Anzug neben dem Punk im Schmuddel- Parker und man freut sich zusammen über das Spiel, das Wetter, die Astra-Knolle in der Hand und die gute Stimmung.

Ich wünsche allen Fußballbegeisterten einen schönen letzten Spieltag und natürlich allen ein sonniges Wochenende. Wir haben gearade wieder mal Schmuddelwetter.

Ihre Andrea Bentschneider

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