Kalkutta liegt am Ganges…

Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine
und das ich so verliebt bin, das liegt an Madeleine.

Mit diesem Lied trällerte sich Vico Torriani 1960 auf Platz 1 der deutschen Musikcharts.

Kalkutta liegt weit weg, aber:


Kalkutta liegt am Hugli, und Ganges ist ganz falsch,
Lieber Vico bekomme die Kritik, jetzt nicht in falschen Hals.

OK, reimt sich nicht wirklich, aber wo ich gerade dabei bin:

Marmor, Stein und Eisen brechen und nicht bricht (dieser Kommentar kommt immer von Schatzi wenn er das Lied hört, den es ist ja eine Aufzählung von mehreren Gegenständen). Mein Klugscheißer halt… doch zum eigentlichen Thema.

Erinnern Sie sich noch an den Slogan: „Alle Menschen sind Ausländer – fast Überall“?

Die Botschaft war klar, es ging um die Ausländerfeindlichkeit und das wir doch alle nett zueinander sein sollten. Wenn man der Studie der Vereinten Nationen von 2005 glaubt, gab es damals 186.579.300 Personen die nicht in dem Land lebten in dem sie geboren wurden.

Den höchsten Ausländeranteil, nämlich 100%!!! hat der Vatikanstaat. Die 1000 Angestellten Gottes sind allesamt Ausländer. Die größte Anzahl von Einwanderern hatte 2005 die mit 38.355.000, Deutschland lag in diesem Ranking auf Platz 3 mit 10.144.000 Einwanderern. Aber Ausländer sagt man ja heute nicht mehr, sondern Personen mit Migrationshintergrund.

Aber es kamen nicht nur die Menschen, sondern diese brachten natürlich auch Bräuche, Essen und ihre Kultur etc. mit in die neue Heimat.

Viele der angeblich ur-deutschen Worte haben auch einen Migrationshintergrund.

Was haben zum Beispiel die ungarischen Fußsoldaten des 17. Jahrhunderts mit Schatzi als Kleinkind zu tun?

Antwort: Schatzi war nach Aussagen seiner Eltern ein Tollpatsch. Klarer Fall, das Wort ist Deutsch…

, es stammt von ungarischen Wort Talp = Sohle, Fuß. Die damaligen Soldaten wurden  umgangssprachlich Talpas (Breitfüßig, schwerfällig) genannt, und aus diesem Talpas entwickelte sich dann das deutsche Wort Tollpatsch. Weitere Worte gefällig: Engel (Griechenland), Larifari (Italien), Pantoffel (Frankreich), Paradies aus dem Persischen etc. (Latein)

Ich verquatsche mich mal wieder, aber wie auch in der Ahnenforschung sollte man hier immer alles lesen und beachten, denn es sind oftmals kleine Details die einem Hinweise geben.

Ich sitze gerade an einem Kundenauftrag wo an Anfang der Forschung nur relativ wenig über die Vorfahren bekannt war. Neben der Tatsache, dass der Vorfahr wohl in den Süden der USA ausgewandert ist (genaues Jahr ist nicht bekannt), waren nur wenige Details über das Leben bekannt. Auf meinen Hinweis hin wurde dann die Verwandtschaft befragt und es fand sich tatsächlich ein Brief aus dem Jahr 1883 aus Virginia / USA, wo er von der Arbeit als Tabakpflanzer berichtete und das er wohl demnächst für „Matschapp“ arbeiten würde.

HÄ? Matschapp??? Selbst wenn man im Internet sucht taucht da nur das Wort „Matschapp“ als Plattdeutsches Wort aus dem Norden auf.

Super Ansatz für eine Forschung! 🙂

Aber wieder mal um die Ecke und drei Straßen weiter denken.

Virginia-Tabak, da könnte Matschapp irgendetwas mit Tabak zu tun haben. Nach einigen grauen Haaren mehr (vom grübeln) bin ich dann auf „Maatschappij“ gekommen.
Ist kein Schreibfehler sondern eine Niederländische Firma die 1869 gegründet wurde und mit vollem Namen „Deli- Maatschappij“ hieß. Diese baute auf Tabak an. Neben dieser Firma waren auch diverse Deutsche Tabakgesellschaften auf Sumatra im Tabakgeschäft tätig.

15% der Ernte des Jahres 1884 stammen aus „deutscher Produktion“. Bereits 1886 gab es auf Sumatra bereits 100 Plantagen, von denen 19 in deutscher Hand waren. Das Geschäft schien sich also zu lohnen, denn nur 4 Jahre später waren es bereits 209 Tabakplantagen. Die Niederländer versuchten die Deutschen Plantagen zu übernehmen, ohne Erfolg. Daraufhin beschloss man auf Niederländischen Plantagen keine Deutschen mehr zu beschäftigen. Auch heute noch sind die Tabaksorten aus Sumatra in Europa / Deutschland sehr beliebt, da sie eine überragende Qualität besitzen und dem eher milden mitteleuropäischen Geschmack entsprechen: Sie haben ein feines, blumiges Aroma und wirken in Duft und Geschmack eher sanft.

Also wir haben es tatsächlich geschafft Unterlagen über den Mann zu finden, der wirklich von den USA nach Sumatra reiste und sich dort vom einfachen Tabakpflanzer hochgearbeitet hat.

Wenn auch Sie mal an einen scheinbar toten Punkt kommen:

  • Sachen zur Seite legen
  • tief durchatmen
  • und dann zwei Wochen später wieder zur Hand nehmen.

Und daran beachten: Auch mal quer denken.

Tja, wenn Sie also eine Sumatra- rauchen und dazu eine Rum-Port Mischung trinken (macht man als Zigarrenraucher wohl so), dann nehmen Sie sich doch folgendes Buch zur Hand:


Mitte der zwanziger Jahre reist die junge Schweizerin Claire Hake allein nach Sumatra und begegnet auf einer abgeschiedenen Tabakplantage inmitten des Urwalds ihrer großen Liebe Gustav, einem deutschen Pflanzer. Claire und Gustav heiraten; ihr Leben auf der Plantage ist zwar entbehrungsreich, aber glücklich – bis…

Es handelt sich hierbei nicht um einen historischen Roman, sondern um Tatsachen. Claire Hake ist im Januar 1990 im Alter von 90 Jahren verstorben. Die letzten sieben Jahre ihres Lebens hat sie damit zugebracht, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Diese hat sie ihrer Enkelin Nicoline Hake vermacht, die das Manuskript ergänzt hat.

Claire Hake-Mein geteiltes Herz
Eine große Liebe zwischen Sumatra, Shanghai und Deutschland

Originalausgabe, 448 Seiten, gebunden für € 19,95
ISBN: 978-3-8052-0887-1

Ihre Andrea (Nichtraucher) Bentschneider

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