Fringsen und die Zigaretten

Achtung, es kommt viel wissenwertes zu lesen!

Da nach dem 2. Weltkrieg das Geld im von den Alliierten besetzten Deutschland durch Inflation beständig an Wert einbüßte, wurde der direkte Warentausch bei den Menschen immer beliebter. Auch die …

… Wertvergleichsfunktion des Geldes wurde von Waren übernommen, hauptsächlich von den Zigaretten, die ausgesprochen knapp waren und gerne gehandelt wurden. Dies ging soweit, dass sich Zigaretten als allgemeiner Wertmaßstab einführten, so dass man schließlich von der Zigarettenwährung sprach, wobei eine Zigarette einem Geldwert von etwa  10  Reichsmark hatte.

1 Reichsmark (1924–1936) = 3,32 Euro; was aktuell 3,97 Euro entspricht
1 Reichsmark (1937/38) = 3,58 Euro; was aktuell 4,28 Euro entspricht

Umrechnungshinweise (Kaufkraft) laut Hamburger Staatsarchiv und Statistischem Bundesamt bezogen auf das Jahr 2000.

Schatzi hat mal erzählt, dass sein Opa einen Geldschein durchgerissen und gefaltet hat und somit zwei Amerikaner „beschissen“ hat , er hat für je einen halben Geldschein 2 mal Zigaretten bekommen. Man kontoliierte natürlich nicht das Geld und die Ware, denn diese Aktionen waren  ja verboten.

Obwohl verboten blühte im Nachkriegsdeutschland der Schwarzmarkthandel, man musste halt überleben. Der Opa von Schatzi musste zum Beispiel einen 6 Personenhaushalt versorgen.

Die Polizei tolerierte oftmals diese illegalen „Geschäfte“. Berühmt wurde der Kölner Erzbischof Joseph Frings, der in seiner Sylversterpredigt am 31. Dezember 1946 folgendes predigte:

„Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“

Also tolerierte er (die ) damit die Plünderungen von Kohlenzügen und die Beschaffung von Lebensmittel auf nicht legale art.

Der Onkel von  Schatzi hat mal berichtet,  wie er und seine Freunde hier in Hamburg Kohle „gefringst“ haben. Von der Beute haben die Jungs welche die Kohle  von der Lok gefringst  haben 3 Anteile bekommen, die Jungs die die herunter geworfene Kohle aufgesammelt haben 2 Stücke Kohle und die Schmiere gestanden haben erhielten 1 Stück Kohle.

Auch heute noch sagt man in Kölle „fringsen“ wenn es um das „organisieren“ von Dingen geht.

Neigkeiten aus :
Es sind mittlerweile die ersten Archivalien aus dem Grundwasser des eingestürzten Kölner Stadtarchiv geborgen worden. Es handelt sich vor allem um städtische Akten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, darunter sogenannte „Ausländerakten“ aus den 1960er und 1970er Jahren.

Die Archivalien waren zwar durchnässt aber in einem relativ guten Zustand, da sie luftdicht abgeschlossen waren. Beim Herausholen an die Oberfläche kommen sie jedoch in Kontakt mit dem Luftsauerstoff, der den Schimmelbefall und die Zersetzung beschleunigt. Deshalb wird noch direkt an der Einsatzstelle mit der „Erstversorgung“ begonnen. Dabei werden die Archivalien in sogenannten „Waschstationen“ mit Frischwasser abgebraust, um Dreck und Steine zu entfernen. Anschließend folgt das Einschlagen in Stretchfolie sowie die Ablage in Gitterboxen, die rasch in die Gefriertrocknung nach Troisdorf gebracht werden.

Im Kühlhaus werden die Fundstücke dann sehr schnell auf minus 28 Grad heruntergekühlt („Schockfrostung“) und später im Vakuum wieder aufgetaut. Dabei sublimiert das Wasser, das heißt, es verwandelt sich im Vakuum sofort in Wasserdampf und kann so abgesaugt werden, ohne das Archivgut erneut zu durchnässen.

“ Meldung der Stadt Köln“

Zu guter letzt und nicht zu vergessen: Ein Historischer Roman der in Köln spielt und gerade  (2. August) erschienen ist:

Ein gottloser Frevel empört die Kölner Bürger: Aus einem Beinhaus wurden Schädel und Knochen entwendet. Kurz darauf wird im Hinterhof der Apothekerin Adelina eine schwangere Frau ermordet. Sogleich gerät Medicus Neklas Burka, Adelinas Gemahl, in Verdacht, die Frau für seine Experimente missbraucht zu haben. Adelina ist entschlossen, seine Unschuld zu beweisen. Doch selbst ihr kommen Zweifel, als sie wenig später in ihrem Keller einen geheimen Raum mit menschlichen Schädeln und Knochen findet …“

„Petra Schier – Frevel im Beinhaus“

352 Seiten für € 8,95

ISBN 978-3-499-25437-6

Habe ich gerade gelesen und kann es auch Nicht-Kölnern nur ans Herz legen.

Ihre Andrea Bentschneider

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