Der plattdeutsche Dollar

Nicht nur etwa 50 Millionen Amerikaner haben deutsche Vorfahren – auch der hat deutsche Wurzeln!

Zu verdanken haben wir diese Tatsache dem Umstand, dass der Bergbau in Deutschland im 15. Jahrhundert große Fortschritte machte und dass durch die „Entdeckung“ der neuen Welt immer mehr Silber nach Europa gelangte. Als das Gold knapp und damit teurer wurde, wurde nun auch Silber als Münzen geprägt. Da Gold mehr wert war als Silber und der Silbergulden den gleichen Wert haben sollte wie der Goldgulden, den er ersetzen sollte, musste der Silbergulden neunmal schwerer sein als der Goldgulden. Ein Silbergulden wog 30 Gramm und wurde auch „Guldiner“ genannt, für „Gulden“.

Auch am Südhang des Erzgebirges wurde im frühen 16. Jahrhundert Silber abgebaut. Seit 1519 ließen die Grafen Schlick große Mengen Guldengroschen schlagen. Nach dem Herkunftsort dieser Münzen in Joachimsthal in Nordböhmen wurde diese Münzen auch „Joachimsthaler“ genannt, was sich im Laufe der Zeit zu „Thaler“ bzw. „Taler“ verkürzte. Dies wurde Mitte des 16. Jahrhunderts für Silbermünzen in dieser Größenkategorie ihr Name.

Wenn man dem Wort „Thaler“ noch ein bisschen Plattdeutsch beimengt, dann landet man bei „Doaler“. Der Taler ist ein beliebter Namensgeber geworden, auch außerhalb Deutschlands.

Zweieinhalb Jahrhunderte später, als die USA sich 1786 von dem englischen Währungssystem trennten und ein eigenes einführen wollten, wählten sie in Anlehnung an den niederdeutschen „Doaler“ den Begriff „Dollar“. Und heute gibt es nicht nur den U.S.-amerikanischen Dollar, sondern noch 23 weitere Dollar-Währungen, von Nordamerika über Suriname, über Namibia und Brunei bis nach Australien und Neuseeland. Das ist ein weiter Weg von Joachimsthal im Erzgebirge.

Übrigens entsprach der amerikanische Dollar dem spanischen/mexikanischen Silberpeso, daher stammt das Dollarzeichen $.

Ihnen eine schöne Woche.

Andrea Bentschneider

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