Ach wie gut das niemand weiß, das ich…

Wissen Sie was mir aufgefallen ist? Nein, woher auch. Wir waren neulich bei meinen Schwiegereltern und haben es uns bei Kaffee und Kuchen gut gehen lassen. Die Hütte war voll, Freunde, Verwandte und Bekannte, also eine richtig klassische Kaffeetafel. Ich weiß nicht wer damit anfing oder wie wir auf das Thema kamen, aber es ging um Berufe. Schatzis Vater hat, bevor er studierte, noch eine Lehre als Schildermaler gemacht. Den Beruf gibt es heute nicht mehr, ähnlich wie die Dinosaurier ist er ausgestorben. Wer kennt den heute noch jemanden der Bader, Nachtwächter, Leuchtturmwärter oder Sliemer ist. Wie Sie kenne ich keinen Sliemer, seien Sie froh, den dieser stellte für die armen Leute aus ölgetränktem Papier Fensterscheiben her, die anstelle von Glasscheiben für Helligkeit in den Häusern sorgten.

Es gibt aber auch ausgestorbene Berufe denen man nicht nachtrauert, oder möchten Sie einen Scharfrichter kennen? Scharfrichter gab es nicht nur in Hamburg, doch überall wurde er gesellschaftlich geächtet, niemand wollte mit dem Mann und seinem schmutzigen Handwerk etwas zu tun haben. Er henkte, ließ Köpfe rollen und brach Knochen im Namen des Gesetzes. Er beseitigte Tierkadaver und Abwässer.

In Hamburg wurde man zwar gut entlohnt, aber Freunde hatte man keine. Als Beispiel möchte ich den Meister Rosenfeld erwähnen, von seinem prominentesten Opfer werden Sie gehört haben. Klaus Störtebecker, dieser wurde mitsamt 30 seiner Gefolgsleute am 20. Oktober 1401 auf dem Grasbrook, eine Insel an der Unterelbe durch Meister Rosenfeld enthauptet. Pro Enthauptung verdiente der Scharfrichter damals 12 Mark, für eine Mark konnte man sich damals vier Kühe kaufen. Er hat also an einem Tag 372 Mark oder 1488 Kühe verdient. Armer, reicher Rosenfeld.

Abtrittanbieterin ist auch so ein Beruf den kaum jemand in Hamburg nachgehen wollte, denn diese Damen zogen in Hamburg umher und boten Ihre Dienste an. Da es keine öffentlichen Toiletten gab, setzte man sich bei der Dame auf den Eimer und ihr großer und weiter Mantel diente als Sichtschutz. Den Gestank hat diese Abtrittanbieterin dann mit Gewürzsträuchern überdeckt. Apropos Gestank: Seien sie froh, dass der Beruf des Leimsieders nicht mehr existent ist, denn sie kochten Leim aus tierischen und pflanzlichen Abfällen, was muss das gestunken haben.

Aber es gab ja auch nützliche Berufe, die aufgrund der technischen Weiterentwicklung ausgestorben sind. Laternenträger ist so ein Beruf, eine Art mobile Straßenbeleuchtung, die man mieten konnte, um sich den Heimweg durch dunkle Gassen und Straßen bei Nacht zu erleichtern. Es war hell und man hatte Schutz. Schatzi kann sich auch noch an den Scherenschleifer erinnern, der zog in meinen frühen Kindertagen noch durch die Strassen und hat Messern und Scheren zu neuer Schneidekraft verholfen.

PS. Lieber arm dran als Kopf ab. Falls Sie noch einen tollen, fast ausgestorbenen Beruf haben, dann bitte melden. Nur bitte keine Scharfrichter!!

1 Kommentar zu “Ach wie gut das niemand weiß, das ich…”

  1. Bernd Gruber sagt:

    Hallo,
    Habe da noch einen ausgestorbenen Beruf.
    Der Warschauer
    Der Warschauer saß am Rande des Rheins und gab den Schiffen mit Fahnen Befehle, wie sie durch den Mittelrhein fahren ohne auzulaufen.
    Sie waren eine art Lotse nicht auf dem Wasser sondern an Land.

    Gruß
    Bernd

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