Was erlauben Archive…?

Da habe ich gerade etwas erfahren, wo ich jetzt nicht so genau weiß, ob ich vor Wut und Ungläubigkeit zuerst lachen oder weinen soll.

Also: im vergangenen Jahr hatte ja das Krankenbuchlager in Berlin beschlossen, von heute auf morgen keinerlei Auskünfte mehr aus deren Beständen zu erteilen. Da diese Krankenbücher die einzigen (!) existierenden staatlichen Unterlagen sind, die Angaben über die Soldaten des 1. Weltkriegs enthalten, hatte mich dieser Beschluss seinerzeit schon äußerst irritiert. Die Begründung lautete in etwa so, dass mehr als 60 Jahre seit Kriegsende vergangen seien und dass Auskünfte nur noch an offizielle Stellen sprich Behörden zwecks rechtlicher Angelegenheiten erteilt werden würden. Da hatte ich dann aber noch die Hoffnung, dass man über kurz oder lang zu Vernunft oder einer angemessenen Lösung kommen würde.

Selbst die WASt bekam keine Auskünfte mehr, obwohl die sozusagen im selben Haus bzw. zumindest auf demselben Gelände wie das Krankenbuchlager sitzt. Der wahre Grund für die Einstellung der Auskünfte waren wohl eher Budgetkürzungen. So wie ich das Ganze verstanden bzw. interpretiert hatte, spielte dann wohl auch ein wenig Machtgehabe eine Rolle.

Jedenfalls erfahre ich heute nun, dass das Krankenbuchlager einen Teil der Bestände an das WASt übergeben hat. Hurra dachte ich nun, aber zu früh gefreut: Im nächsten Atemzug erfahre ich, dass die fleißigen budgetleidgeprüften Damen und Herren des ehemaligen Krankenbuchlagers alle Unterlagen von Soldaten bis zum Geburtsjahr 1900 vernichtet wurden. Somit sind nur die Akten der Soldaten ab dem Geburtsjahr 1900 noch vorhanden, sprich für Soldaten die mit Beginn des 1. Weltkrieges 14 und jünger waren. Das sind die Momente, in denen ich absolut sprachlos bin und mir wenig bis eigentlich gar nichts mehr einfällt.

Und nun kommst Du…

Somit werde ich also nie mehr herausfinden können, wo mein Urgroßvater Bentschneider im 1. Weltkrieg Böses getrieben hat, dass sich meine Urgroßmutter nach seiner Rückkehr 1919 von ihm hat scheiden lassen. Denn die Hamburger Scheidungsurteile vor 1933 sind seinerzeit leider auf dem Weg vom Gericht zum Staatsarchiv zu 98% im Schredder gelandet.

Einen ähnlichen Moment hatte ich vor ein paar Jahren in einer Hamburger Kirchengemeinde, wo mir die Dame im Kirchenbüro stolz verkündete, dass sie die Zweitschriften der alten Kirchenbücher kurz zuvor weggeschmissen hätten, weil sie ja nur Staub gesammelt und Platz weggenommen hätten. Mir wären da auf Anhieb so einige andere Aufbewahrungsmöglichkeiten z. B. in den Räumen der genealogischen Gesellschaft Hamburg e. V. eingefallen.

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Ich bin und habe fertig!

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1 Kommentar zu “Was erlauben Archive…?”

  1. Toty Nöchof sagt:

    Tja, Dinge können so einfach erscheinen! Danke 🙂