Das Lied der Deutschen = Deutschlandlied

OK, die EM ist Geschichte, positiv in Erinnerung bleibt, dass man als deutscher Fan die Nationalhymne singen kann, ohne gleich eine rechtsgerichtete Gesinnung unterstellt zu bekommen. Aber ähnlich wie bei unserer Fahne weiß eigentlich kaum jemand woher sie stammt und welche Strophe gesungen werden darf und welche nicht. Tja, liebe EM Ausrichter bzw. liebes Schweizer Fernsehen, peinlicher Patzer wenn man beim Spiel Deutschland vs. Österreich seinen Zuschauern die 1. Strophe als Text einblendet.

Aber begeben wir uns erst einmal in das Jahr 1841 zurück: Ein junger Mann namens August Heinrich Hoffmann von Fallersleben sitzt am 26. August besagten Jahres auf englischem Grund und Boden und grübelte über die Deutsche Frage… Genauer gesagt befand er sich auf der Insel Helgoland, die damals noch zum englischen Hoheitsgebiet gehörte und erst im Tausch gegen die Insel Sansibar im indischen Ozean an Deutschland fiel. Was die sich damals wohl gedacht haben, ich würde meine Butterfahrt doch lieber in den indischen Ozean unternehmen … – aber jetzt schweife ich ab.

Zurück ins Jahr 1841: Deutschland war ein Vielvölkerstaat und der gute August träumte von der Vereinigung dieser Staatenvielzahl zu einem Einzigen.

So saß er also da und textete:

Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!

Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!

Mit der 1. Strophe beabsichtigte August keine Großmachtsansprüche, sondern hat lediglich die Gebiete des deutschen Sprachraumes bzw. die Grenzen des Deutschen Bundes aufgezeigt. Wegen des intellektuellen Missbrauchs dieser Strophe zur Zeiten des Dritten Reichs wird sie heute nicht mehr gesungen.

Wegen der zweiten Strophe würde August in der heutigen Zeit wohl eine Plagiatsklage am Hals haben, denn er lies sich hier vom „Preislied“ des Walther von der Vogelweide „inspirieren“. Diese heute aus feministischer Sicht politisch unkorrekte Strophe fällt also beim Gesang auch weg, sodass nur die Dritte bleibt: Angelehnt ist dieser an dem Slogan der Französischen Revolution: „Liberté, Egalité, Fraternité“ und beschreibt die Forderung nach einem freiheitlichen Rechtsstaat.

Schön, der Text stand also fest, fehlte nur noch die Melodie. Aber auch hier hatte unser Freund bereits eine Idee: Er nahm die 1797 von Joseph Haydn für den österreichischen Kaiser Franz komponierte Hymne „Gott erhalte Franz, den Kaiser“!

Zurück noch einmal nach Helgoland in den Spätsommer 1841: Zwei Tage nach Vollendung des Textes bekam August Besuch vom Hamburger Verleger Julius Campe (heute bekannt als „Hoffmann und Campe Verlag“) und einem Stuttgarter Verleger. Für 4  Louisdor verkauft August Heinrich Hoffmann von Fallersleben „Das Lied der Deutschen“ an Campe. Dieser veröffentlicht diesen Text mit den Noten von Haydn am 4. September erstmals… der Rest ist Geschichte.

Also liebes Schweizer Fernsehen: Obwohl „unser“ Lied den europäischen Gedanken verkörpert wie wohl kaum eine andere europäische Nationalhymne, da es auf einer englischen Insel geschrieben, für 4 französische Louisdor verkauft und mit der Melodie für den österreichischen Kaiser versehen wurde, singen wir heutzutage trotzdem nur die 3. Strophe.

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