Nein, Nein, Nein, das kann nicht mein Verwandter sein!!!

Sachen gibt es… Da habe ich Forschungen für einen US-Amerikaner durchgeführt, dessen Vorfahren kurz nach dem zweiten Weltkrieg in die USA ausgewandert sind. Daran ist ja nichts ungewöhnliches, auch an der Tatsache, dass sein Großvater hier in den Nachkriegswirren wegen kurze Zeit schwedische Gardinen vor dem Fenster hatte. Doch wirklich erstaunt hat mich die Reaktion vom Kunden, der meinte dies müsse ein Irrtum sein, da seine Familie eine anständige Familie sei und garantiert keiner jemals im Gefängnis war, ich solle dies doch bitte nochmals überprüfen.

Er war kurz davor, den Fall neu aufrollen zu lassen… ich habe ihm dann aber verständlich machen können, dass es „normal“ in den Nachkriegswirren war Schwarzmarkthandel zu betreiben und ein wenig längere Finger zu haben. Nachdem ich Herrn „Smith“ dann die Geschichte meiner Ur-Großmutter erzählt habe, die 3 Tage einsaß, weil sie Lebensmittel gestohlen hatte, war er bereits etwas beruhigter.

Mein Schatzi zieht mich ja immer damit auf, dass meine Familie nur aus Pferde- und Strauchdieben bestehen würde. Ich möchte hier nochmals klarstellen, dass dies mit Ausnahme des kleinen Zwischenfalls mit meiner Urgroßmutter eine haltlose Behauptung ist.

Beim sonntäglichen Kaffeekränzchen bei seinen Eltern hat sich dann aber herausgestellt, dass auch seine Familie nicht unbedingt eine weiße Weste hat. (Wie nachfolgenden Schilderungen zu entnehmen ist, ist dies noch etwas untertrieben.)

Sein Großvater hat sich nach dem Krieg und der Flucht aus Königsberg als Schuhmacher verdingt und praktischerweise war nebenan ein großer Kohlenkeller. Schatzi’s Vater hatte genau die Maße, um sich durch die kleine Fensterluke zu schlängeln… und so war wenigstens die Wohnung warm. Der Opa hatte dann wohl noch weitere Talente und hat die ausgegebenen „manipuliert“. Aus einer römischen „I“ ließ sich eine „II“ zaubern und so gab es dann auch immer genug zu essen. Blöd nur, dass er seine Nachbarn auch daran teilhaben lassen wollte und ihn einer verpfiffen hat… Dann war da noch Schatzis Onkel: der ist hier am Schanzenbahnhof mit seinen Freunden auf Kohlewagen gesprungen und hat Kohle geklaut…

Diese Geschichten haben Herrn „Smith“ dann beruhigt und er kann mit der Vorgeschichte seiner Vorfahren leben.

PS: Er konnte sogar über die Tatsache lachen, dass Schatzis  Opa die Amis beim Zigarettenkauf „behumpst“ hat. Er hat einen Geldschein in der Mitte zerrissen, schön gefaltet und dann für „einen“ Geldschein bei zwei verschiedenen GI’s  Zigaretten bekommen.

PPS: Wenn ich doch noch einmal genauer nachdenke und ehrlich bin, dann fällt mir noch die Geschichte ein, dass auch meine Oma Schmiere stehen musste, wenn ihre Brüder bei den Engländern Säcke mit Mehl von den Zügen „entwendet“ haben. Diese Säcke wurden dann im Schrebergarten, wo die Familie nach dem Bombenangriffen lebte, vergraben. Irgendwie waren die Engländer wohl dahinter gekommen und haben den Mehlsack gefunden, so dass der Vater meiner Oma wohl auch eine kleine Gefängnisstrafe verbüßen musste. Aber bitte nicht meinem Schatzi verraten ….

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