…wer nicht fragt bleibt dumm

Das habe ich von meinen Freunden in der Sesamstrasse schon in jungen Jahren beigebracht bekommen. Mich hat mal wieder ein Brief erreicht…, dass ist ja nichts außergewöhnliches, aber es benötigt mal wieder jemand meine Hilfe in Sachen: „Ich hab’ da mal ’ne Frage“.

Kurz zusammengefasst: „Mein Vater war wohl im zweiten Weltkrieg wohl bei der SS und ist nach dem Krieg verschwunden (wahrscheinlich aufgrund der verübten Verbrechen, es ist nichts genaueres bekannt), aber meine Mutter hat immer Post von ihm bekommen. Ich selber habe meinen Vater erst 1955 „kennen gelernt“. Ich habe nun im Nachlass meiner Mutter einige meines Vaters gefunden, in einem schreibt er, dass er nun endlich sein „KB“ erhalten habe und nun endlich vollständiger Bestandteil ist. Bis dato dachte ich immer „KB“ ist die Abkürzung für Kirchenbuch, aber das kann ja wohl nicht stimmen. Mein Vater ist leider vor langer Zeit schon verstorben, sodass ich ihn nicht mehr Fragen kann und er hat auch nie über die Kriegszeit oder die Zeit danach gesprochen. Können Sie mir helfen, Sie was mit „KB“ gemeint sein könnte?“

Also liebe Frau XXX, mit 100% Sicherheit kann ich natürlich nicht sagen, ob meine Vermutung auch auf Ihren Vater zutrifft, dazu kenne ich die Familiengeschichte nicht genug, ich habe aber eine Vermutung.

Ich weiß nicht genau wie ich anfangen soll…Nach dem zweiten Weltkrieg sind einige Soldaten in der französische Fremdenlegion abgetaucht, um sich somit den verübten Verbrechen zu entziehen und sich in der Legion eine neue Identität zulegen zu können.
Ob und wieweit dies auf Ihren Vater zutrifft kann ich natürlich nicht sagen, aber das „KB“ = Képi blancs (der weiße Hut / Käppi) wurde meines Wissen erst nach der Grundausbildung an die Soldaten vergeben und erst dann gehörten diese Soldaten zur Legion. Könnte anhand der Äußerungen Ihres Vaters also zutreffen. Sie sollten mal auf den Absender auf dem Briefumschlag sehen, da die Legion in diversen Kriegen eingesetzt war (in dem von Ihnen erwähnten Zeitraum fällt Indochina und Madagaskar). Da Sie sagen, dass Ihr Vater erst 10 Jahre nach Kriegsende wieder „aufgetaucht ist, könnte die Dienstzeit von je 5 Jahren auch passen, aber wie gesagt, es ist nur eine Vermutung. Sie sollten sich mit der Legion in Verbindung setzen, vielleicht gibt es ja eine Akte über Ihren Vater.

Mit freundlichen Grüßen…..

Soweit zu dem geführten Schriftverkehr, fest steht jedenfalls, dass nach dem zweiten Weltkrieg ca. 2/3 der Legionäre Deutsche waren. Insgesamt so schätzt man, haben zwischen 1870 bis 1962 ungefähr 100.000 Deutsche in die Fremdenlegion gedient. In den französischen Kriegsgefangenenlagern wurde unter den deutschen Wehrmachtsangehörigen für die Legion geworben. Und viele Gefangene zogen das Leben als Legionär wohl dem Hunger im Lager vor.

Die Legion wurde1831 von König Louis Philippe gegründet. Die Gründung hatte zwei Gründe:
1.)    Frankreich wollte mit dieser Armee, die nur Ausländern vorbehalten war, die politischen Asylanten loswerden (Frankreich gewährte seit der Revolution von 1830 allen politischen Flüchtlingen aus Europa Zuflucht)
2.)    Es wurde eine schlagkräftige Armee aufgebaut, welche die koloniale Interessen vertreten konnte, ohne dass ein Franzose starb.

Leider habe ich seitdem nichts mehr von Frau XXX gehört, aber es wäre schön wenn Sie sich mal melden.

PS: Wenn am 14. Juli (dem Französischen National Feiertag) die große Militärparade auf der Champs-Élysées stattfindet, läuft die Legion immer ganz hinten.  Das hat Schatzi mir wie folgt erklärt. Er selbst ist damals bei der Bundeswehr so mit 120 Schritten pro Minute marschiert, da die Legion aber auch in Gegenden mit Wüstensand, morastigem Untergrund etc. marschiert, wären 120 Schritte sehr kräftezehrend, insofern marschieren Sie mit nur 80 und „zockeln“ daher bei Paraden hinterher. Aber die Deutschen haben Spuren in der Legion hinterlassen, so singt man heute noch „O du schöner Westerwald“, auf Deutsch!

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