Tja, wenn es brennt greift man heute einfach zum Hörer, wählt 112 und schon kommt die Feuerwehr und löscht.

Damals gab es in kleinen Dörfern meist nur eine freiwillige Feuerwehr… Keine Angst es geht nicht um die Feuerwehr in diesem Beitrag, sondern…

…um das Dorf Uelitz und das auch nur am Rande. Die Freiwillige Feuerwehr dort feierte 2009 ihr 100 jähriges Jubiläum. Gott sei dank erst das 100 jährige und nicht bereits das 230 jährige.

Denn nur der Tatsache, dass es im Mai 1786 in Uelitz keine Feuerwehr gab, verdankt man letztendlich in die Duplikate. Feuer und Wasserschäden gab es in Kirchen des Öfteren und auch Kriege führten oft zum Verlust von Kirchenbüchern. Oder der Pastor hat „etwas geschlampt“. Es wurde von einem Fall berichte,t wo der Pastor wohlwissend, dass das Dach seiner Kirche undicht war, die alten genau unter jenem Dach lagerte.

Am 15. März 1784 bereits  wurde ein so genanntes Reskript (also eine Art behördliches Schreiben) bezüglich Sicherstellung der Kirchenbuchseintragungen verschickt. Darin hieß es:

  • “… danach sollte aus jedem Kirchenbuch ein beglaubigter Extract der Geborenen, Copulierten und Gestorbenen jährlich eingesandt werden. Diese Auszüge sollten denselben Wortlaut haben, wie das Kirchenbuch, damit sie bei etwaigem Verlust des Originals gleichwerthig an seine Stelle treten könnten.
  • Von den älteren Jahrgängen solle binnen Jahresfrist eine eigenhändige Abschrift mit Besiegelung und Unterschrift durch die Pastoren einzusenden sei.

Aber wie üblich wurde es natürlich nicht sofort umgesetzt, erst der bereits erwähnte Brand, auf den ein weiteres Reskript folgte, hatte zur Folge, dass an 8. Juni 1786 eine Cirkularverordnung heraus geschickt wurde. Es bestand hauptsächlich aus dem oben erwähnten Punkten.

Die Anordnung Abschriften der aktuellen Jahrgänge zu erstellen wurde auch von allen Kirchen eingehalten, aber die Abschriften der Jahrgänge vor 1786 gingen nur sehr spärlich ein, sodass es heute leider nur für einzelne Gemeinden Kirchenbücher vor 1786 gibt. Lediglich die Kirchen in Wittenförden (liegt am Neumühler See) und Hohen Viecheln (am Schweriner See) haben wirklich alle bei Ihnen gelagerten Kirchenbücher, und die reichen bis 1645 zurück, abgeschrieben und nach Schwerin geschickt.

Die Kirchen in Mecklenburg waren also Deutschlandweit die Vorreiter in Sachen Kirchenbuchduplikate, ebenso in Sachen „wir lassen unsere Kirchenbücher digitalisieren“. Daher hat man nun entweder die Möglichkeit nach Schwerin zu fahren und dort im Archiv nach Einträgen der Vorfahren zu suchen oder aber wesentlich einfacher und günstiger bei ancestry.de die Kirchenbücher durchzusehen. Ich hoffe mal, das auch andere Kirchen- und Staatsarchive sich anschließen und ancestry erlauben die vorhandenen Kirchenbücher zu digitalisieren und online zu stellen.

Wenn Sie Familienforschung in Mecklenburg betreiben kann ich Ihnen noch folgende Seiten empfehlen.

Verein für mecklenburgische Familien- und Personengeschichte e. V.

Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburg

Und wie gesagt die Kirchenbücher auf ancestry.de

Ein erfolgreiches forschen wünscht Ihnen,

Ihre Andrea Bentschneider

P.S. Mit Einführung des Allgemeinen Landrechts für die preußischen Staaten (ALR) wurde 1794 unter anderem festgelegt, dass jede Kirche Kirchenbuchduplikate zu erstellen habe. In den mehr als 19.000 Vorschriften des ALR ist für Kirchenbuchduplikate folgendes zu finden:

Der Küster muß ein Duplicat des Kirchenbuchs halten, und darin die von dem Pfarrer eingetragenen Vermerke getreulich abschreiben.

Am Ende eines jeden Jahres muß der Pfarrer dies Duplicat mit seinem Kirchenbuche vergleichen, und die befundene Richtigkeit darunter bezeugen.

Sodann muß dieses Duplicat bey den Gerichten des Orts verwahrlich niedergelegt werden.

Allerdings hielt sich nicht jeder daran, so beginnen viele Kirchen erst um 1800 oder noch später Duplikate zu erstellen. Die Kirchenbuchduplikate von Neuvorpommern beginnen teilweise erst ab 1840.

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