78 Umdrehungen

Schatzi’s Vater hat noch einen, aber wer kennt denn bitte noch Plattenspieler auf denen noch drei Geschwindigkeiten eingestellt werden können?

33 für Singles, 45 für LPs und 78 für die alten Schellackplatten. Die leicht zerbrechlichen Scheiben werden aus Gummilack hergestellt, und der wiederum aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus.

Es ist mir zwar klar, warum es keine Schellackplatten mehr gibt, oder kann sich jemand vorstellen wie viele Läuse allein nötig wären, um die 59 Millionen verkauften Schallplatten von Michael Jacksons Thriller Album herzustellen?

Aber was waren es für tolle Zeiten, als man seinen ersten eigenen Kassettenrecorder bekam. „Hui-Bui das Schlossgespenst“ und „Die drei Fragezeichen“ kann ich heute noch mitsprechen. Es war klasse, ich saß in meinem Zimmer: Kassette rein – hören – Klack –Ende – Kassette umdrehen- Rückseite hören und dann das ganze wieder von vorn. Schatzi hat neulich den Keller aufgeräumt und eine meiner alten Kasetten gefunden. Sofort gehört und ich konnte den Text tatsächlich noch mitsprechen 🙂

Dann bekam meine Freundin Petra ein High-Tech-Gerät zum Geburtstag. Ein Teil wo man die Kassetten nicht mehr drehen musste, genial was die Technik möglich machte.

Als ich älter wurde habe ich dann Musik aus dem Radio mitgeschnitten und was hat man den Sprecher gehasst, wenn er mal wieder in ein tolles Stück reingequatscht hat. Ich habe Stunden damit verbracht eigene Einlagen für die Musikkassetten zu basteln. Nach den 60 Minuten Bändern kamen die mit 90 Minuten und erstmals der Bandsalat. Aber mit einem Bleistift konnte man das ja wieder aufspulen. Risse wurden mit Tesa geklebt. Dann kam Dolby A und irgendwann Dolby B für die Rauschunterdrückung.

Dann die erste „Tanze Samba mit mir“ von Tony Holiday. Was macht der heute eigentlich? Wenn er dies lesen sollte, möchte er sich doch bitte mal melden. Das mit dem Tony war aber auch klar, am Samstagabend gab es immer die -Hitparade. Der Dieter, der Thomas, der Heck. Ich habe noch heute seine Stimme im Ohr.  „19. 30 Uhr und 32 Sekunden, hier ist Berlin….“ Ach und dieses „Natürlich eine Sendung Ihres Zett-Deh-Eff!“ und das „Rainer, fahr ab“.

Was mich als Kind jedoch immer verwundert hat, war die Tatsache, dass die ganzen Stars immer zusammen wohnten. Jedenfalls konnte man ein Autogramm bekommen und sollte an eine Adresse in Hamburg schreiben, dann bekam man es zugeschickt. Ich habe dann auch mal hingeschrieben und bekam zwei Wochen später Post von der Plattenfirma, die unter der Adresse zu erreichen war. War also nix mit Wohngemeinschaft der Stars.

Singles kosteten nur DM 6,00 und plötzlich tauchten dann die ersten CDs auf. Die Schallplatten verschwanden aus den Regalen und plötzlich war man Außenseiter nur weil man keinen -Spieler besaß, sondern nur einen einfachen Plattenspieler.

Aber dank der Retro-Welle kommt ja alles wieder und ich bin immer noch stolzer Besitzer eines Plattenspielers. Und es gibt einfach Platten die ein wenig rauschen und knacken müssen.

Was das mit Ahnen- und Familienforschung zu tun hat?

Ganz einfach: Stöbern Sie doch auch mal wieder in alten Sachen und erzählen und fragen die Verwandten bei einem netten Abend über solche Funde oder Erinnerungen an die Hitparade und Co. Sie werden sich wundern, was man an Informationen bekommt.

Ich habe durch ein solches Gespräch mal etwas über einen erfahren, den ich vorher nie auf meiner Ahnenliste hatte.

OK, er war kein richtiger Onkel, sondern nur der Dauer-Liebhaber meiner , aber so habe ich herausgefunden dass „ Bayern“ (wie ich sie immer genannt habe) zwar unverheiratet gestorben ist, aber einen Lebenspartner hatte und einfach nur nicht verheiratet war.

Weiß auch nicht warum darüber nie gesprochen wurde, der „Onkel“ war auch nie auf Familienfesten. Die beiden waren aber etwa 30 Jahre zusammen….

Wieder ein Rätsel das es zu lösen gilt.

Ihre Andrea Bentschneider

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