Bürger

Es gibt die Bürgermeister, die Bürgerwehr, die Bürger GmbH (die Maultaschen und Co.) herstellt, aber Bürger sind wir alle.

Ich bin Bürger Deutschlands und natürlich ein Bürger von .

ABER…

.. drehen wir die Uhren mal so 150 Jahre zurück. Ich wäre Einwohnerin der Stadt Hamburg (oder wie man damals sagte: Inwohner oder Beisasse), aber nur weil ich hier geboren bin nicht gleich automatisch Bürgerin dieser Stadt.

Erst mit der Verwirklichung der allgemeinen und freien Wahlen in der Weimarer Verfassung von 1918 erhielten alle deutschen Einwohner des Deutschen Reiches das volle Bürgerrecht.

Und vorher?

Ganz, ganz früher, so im Mittelalter besaß nur die Oberschicht das Bürgerrecht. Später weitete sich die Bürgerschaft aus, bis zunehmend auch Einwohner ohne Immobilienbesitz das Bürgerrecht erhalten konnten.

Denn es ging wie üblich „um das liebe Geld“, wer Immobilienbesitz hatte, musste Grundstückssteuern zahlen und hatte somit ein „Anrecht“ Bürger zu sein.

Die Anzahl der Bürger war im Vergleich zur Zahl der Einwohner vergleichsweise klein. Weitere Voraussetzungen um Bürger zu werden waren die eheliche Geburt und Vorfahren die keine Berufe wie Henker, Totengräber und sonstige „unehrlichen“ ausgeübt haben, keine Schulden oder ein laufender Gerichtsprozess sowie ein Mindestvermögen.

Aber warum wollte ein Einwohner Bürger werden?

Wie schon berichtet, musste vor Immobilienerwerb eine Bürgerschaft her. Wollte man ein Gewerbe betreiben (zum Beispiel Importeur oder Reeder oder ähnlich „großes“, musste man Bürger sein, der Gemüsehändler der durch die Gegend fuhr nicht).

Teilweise musste man dies sein, um heiraten zu können, politisch aktiv zu sein (wählen und gewählt zu werden)…

Der Titel „Bürger“ musste er beantragt werden und wurde bei Vorlegung der entsprechenden Voraussetzungen gewährt. Diese Aufnahme in die Bürgerschaft wurde in der so genannten Bürgerrolle dokumentiert, wobei auch eine entsprechende Gebühr, das Bürgergeld, fällig war.

Die Bedingungen um Bürger zu werden waren von Stadt zu Stadt unterschiedlich, ebenso die Gründe warum jemand Bürger werden wollte.

In der schönsten Stadt der Welt (Hamburg natürlich)  gab es natürlich „tausende“ von Voraussetzungen die man erfüllen musste um Bürger zu werden. Daher war der gute Dr. Pränert in Hamburg so schlau und hat alles in einem mehrseitigen Merkblatt zusammen getragen und dies dann für einen Preis von 10 Pfennig verkauft.

Wie wird man Hamburger Bürger

Ok, Mann oder Frauen wollten also Bürger werden. Man musste nun folgenden Antrag ausfüllen und einreichen.

Antrag

Ebenso musste natürlich ein polizeiliches Führungszeugnis beigefügt werden.

Dann nahm der Behördenapparat seinen Lauf und am Ende musste Sie noch einmal vorstellig werden, um den Bürgereid zu leisten bzw. folgenden Bürgereid unterzeichnen.

Aber man musste auch zahlen. Hier in Hamburg zum Beispiel die Nachtwachensteuer (eingeführt nach dem großen Brand im Jahr 1842):

oder dies hier:

Wenn man dann in ein anderen Staat bzw. „Bundesland“ zog, musste man sich als Bürger abmelden.

Lange Rede – kurzes Sinn:

Suchen Sie nicht nur nach Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden.

Suchen Sie doch auch nach Bürgerurkunden oder wie in diesem Fall auch nach Steuerunterlagen oder ähnlichen Urkunden und Belegen.

Denn je mehr Unterlagen Sie finden, desto „plastischer“ werden die Vorfahren.

Ihre Andrea Bentschneider

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