Wo finde ich…

… den meiner Vorfahren? Eine mir häufig gestellte Frage!

Wäre ich ein Komiker, würde ich antworten „Suchen Sie bei Ihren Eltern oder Großeltern auf dem Dachboden und im Keller“.

Doch der Reihe nach:

Ab April 1933 mussten bestimmte Personengruppen wie zum Beispiel Beamte, Angestellte im öffentlicher Dienst, Ärzte, Juristen, Wissenschaftler an deutschen Hochschulen einen Nachweis über ihre arische Herkunft erbringen. Hierbei unterschied man zwischen dem „kleinen“ und „großen“ Ariernachweis. Ein kleiner Beamter musste nur einen kleinen Nachweis erbringen, dass heißt er musste sieben Geburts- oder Taufurkunden (die eigene, die der Eltern und der vier Großeltern) sowie drei Heiratsurkunden (der Eltern und Großeltern) vorlegen. Diese mussten beglaubigt sein.

Je höher der Rang oder die Stellung desto mehr Urkunden musste man vorlegen. So mussten zum Beispiel Angehörige der Ihre Vorfahren bis 1800 zurückverfolgen können (großer Nachweis) und dies anhand von beglaubigten Kopien belegen. Wenn man in der aufstieg, musste man diesen Nachweis bis ins Jahr 1750 erbringen.

Da man ja nun nicht ständig mit einem Bündel Urkunden unter dem Arm herumlaufen wollte, wurde zur Vereinfachung der eingeführt.

Das Ding sah so aus:

Es gab über die Jahre immer wieder Veränderungen im Ahnenpass (oben ist die 20. Auflage abgebildet). Er hatte ungefähr DIN A5 Größe.

Musste jeder Deutsche so einen Ahnenpass haben / ausfüllen?

Nein. Der Besitz eines Ahnenpasses war keine Pflicht, er wurde aber doch jedermann nahegelegt.

Stellen Sie sich ein heute gängiges PC-Ahnenprogramm in Papierform vor, dann wissen Sie in etwa wie der Inhalt aussah, aber es folgen später noch Abbildungen.

Sie mussten also die Ihnen bekannten (anhand der vorliegenden und beglaubigten Urkunden) Daten eintragen.

Damit man auch ja alles richtig machte, gab es natürlich eine Einleitung.

Hatte man diese gelesen, konnte man nun die Daten aus den Urkunden eintragen:

Wichtig war immer die Rubrik

Hatte man nun alle notwendigen Daten eingetragen, musste man diesen Ahnenpass und die beglaubigten Urkunden vorlegen und die Einträge wurden von staatlicher Stelle geprüft und bei Richtigkeit abgestempelt:

Danach wurde einem der Ahnenpass und die Urkunden wieder ausgehändigt. Der Staat hat also keine Kopien oder Abschriften erstellt, sodass Sie nur in Ihrer Familie nach diesem Pass suchen können. Einzig die Unterlagen von SS Angehörigen wurden gesammelt und befinden sich heute in der „Abteilung R“ des Bundesarchivs in Berlin-Lichterfelde.

Da Millionen von Deutschen diesen Ariernachweis erbringen mussten, führte dies natürlich zu einer einer gewaltigen Zunahme von Personen die sich mit Familienforschung beschäftigten, welches erst mit Ende des Krieges 1945 ein Ende fand. Nach 1945 wollten natürlich viele mit dem NS Regime abschließen und haben den Pass vernichtet, sodass leider (für uns Forscher) nur vereinzelt noch Familien diesen Pass haben.

Wegen dieses Ariernachweises /Ahnenpasses kommt es auch, dass hier in Deutschland bis vor ein paar Jahren immer einen „faden Beigeschmack“ hatte und man zum Teil komisch angesehen wurden, wenn man erzählte, dass dies doch ein tolles Hobby ist.

Ihre Andrea Bentschneider

PS: In der Bundesrepublik Deutschland verbietet § 86 des Strafgesetzbuches die „Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organe“, darunter auch das Hakenkreuz. Ausgenommen sind lediglich Darstellungen im wissenschaftlichen Bereich und zur verfassungsgemäßen politischen Aufklärungsarbeit, also beispielsweise in wissenschaftlichen Publikationen, wie dies eine solche ist.

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