Aufräumen und wegwerfen

Es war mal wieder soweit, letztes Wochenende haben Schatzi und ich mal wieder den Keller entrümpelt. Schade, dass unser Keller nicht größer ist, ich musste mich von einigen Dingen trennen.

Leider auch von ein paar Fotos, die wohl Feuchtigkeit gezogen haben und auch von diversen Unterlagen, die ich noch aus meiner Zeit in New York hatte.

So allerdings…

… sahen meine Unterlagen nicht aus. Es handelt sich um eine „Verwaltungsakte aus dem Jahr 1982″ die im eingestürzten gefunden wurde.

Wie man sieht, war die Akte war stark deformiert und wies zahlreiche Knicke und Stauchungen auf. Daher mussten die einzelnen Blätter vor der kollationiert werden. Das bedeutet, die Akte auf Vollständigkeit und die richtige Seitenreihenfolge zu prüfen. Anschließend wurde die Akte auseinander genommen und alle Blätter wurden einzeln trocken gereinigt.

Um die geknickten Ränder zu glätten, mussten sie mit demineralisiertem Wasser besprüht, danach zwischen Polyestervliesen und Löschkarton eingepresst sowie getrocknet werden. Abschließend war es erforderlich, die Risse zu schließen und die Fehlstellen zu ergänzen. Dazu wurden verschiedene Japanpapiere (handgeschöpftes, durchscheinendes Papier) und Weizenstärkekleister verwendet.

Nun sieht sie so aus:

Jetzt aber mal ehrlich. Ich dachte dort würden zuerst die „wichtigen“, alten Dokumente und Unterlagen restauriert und gerettet.

Wie diese hier zum Beispiel:

Siegel des Kölner Verbundbriefes von 1396

Der Kölner Verbundbrief vom 14. September 1396 ist das grundlegende Verfassungsdokument der alten Reichsstadt Köln. Bürgermeister, Rat und Gemeinde in Form der 22 „Gaffeln“ gaben sich eine neue Verfassung und beschlossen ein kompliziertes Verfahren zur Zusammensetzung des städtischen Rates. Der Rat sollte über alle Entscheidungen „mogich und mechtich“ sein. Der Verbundbrief ist mit dem großen Stadtsiegel und den 22 Gaffelsiegeln besiegelt. Er wurde erst 1797 während der französischen Herrschaft in Köln förmlich außer Kraft gesetzt.

Die eigentliche Urkunde des Kölner Verbundbriefes wurde durch den Einsturz kaum beschädigt, die empfindlichen Siegel sind hingegen zerdrückt und nahezu zerstört worden. Vor der Restaurierung wurden die Fragmente anhand alter Fotografien so weit wie möglich dem jeweiligen Siegel zugeordnet. Die Bruchkanten wurden mit eingefärbtem, flüssigem Bienenwachs bestrichen, so dass die Teile angesetzt werden konnten. Leider standen von vielen Siegeln nur wenige Stücke zur Verfügung. Das machte es notwendig, die verbliebenen Zwischenräume ebenfalls mit Bienenwachs zu ergänzen.

Aber was kostet es eigentlich wenn man sich professionell wiederherstellen bzw. restaurieren lässt?

Ich habe hier folgendes Stück:

Das kommt ganz auf den Fall, also die Urkunde an. Wie sind die Schäden? Ist die Urkunde nur zerknittert oder fehlen Stücke?

Ich habe mal im Internet versucht eine Preisangabe zu finden. Naja, letztendlich habe ich mir dem Inhaber der Firma Schrempp Buch- und Graphikrestaurierung in Kornwestheim telefoniert.

Auch er sagte mir, dass er ohne die Urkunde zu sehen, natürlich nur so „Pi mal Daumen“ sagen kann. Ich habe ihm also kurz telefonisch den Zustand beschrieben und er meinte, dass man so etwa mit 30 – 45 Minuten Bearbeitungszeit (bei einem Stundensatz von Euro 45) rechnen müsse.

Das geht ja sogar, ich hätte mit mehr gerechnet.

Ich wünsche Ihnen eine sonnige Woche.

Ihre Andrea Bentschneider

Die Bilder und die Restaurierungstexte habe ich der Internetseite der Stadt Köln entnommen.

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