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Hurra es ist Krieg!

Heute klingt dies unglaublich, aber beim Ausbruch des 1. Weltkrieges war man begeistert.

Einige Schulklassen und Semester von der Uni meldeten sich komplett um in den Krieg zu ziehen. Heute völlig unverständlich!

Aber ich verplapper mich. Ich wollte eigentlich auf diesen Mann hinaus:

Emanuel Geibel! Kennen Sie nicht?

Mag sein, aber ein Zitat aus seinem1861 erschienenen Gedicht „Deutschlands Beruf“ werden Sie sicherlich kennen:

Und es mag am deutschen Wesen Einmal noch die Welt genesen“.

Das Gedicht ist von Geibel als Friedensgebet erdacht und beschwört das untergegangene Deutsche Reich als Ordnungsmacht in Europa.

Es wurde von den Nazis für ihre Zwecke eingesetzt und muss heute noch als ‚Beweis‘ für deutsche Großmannssucht herhalten. Zitiert werden meist nur die beiden letzten Zeilen.

Soll’s denn ewig von Gewittern
Am umwölkten Himmel braun?
Soll denn stets der Boden zittern,
Drauf wir unsre Hütten baun?
Oder wollt ihr mit den Waffen
Endlich Rast und Frieden schaffen?

Dass die Welt nicht mehr, in Sorgen
Um ihr leicht erschüttert Glück,
Täglich bebe vor dem Morgen,
Gebt ihr ihren Kern zurück!
Macht Europas Herz gesunden,
Und das Heil ist euch gefunden.

Einen Hort geht aufzurichten,
Einen Hort im deutschen Land!
Sucht zum Lenken und zum Schlichten
Eine schwerterprobte Hand,
Die den güldnen Apfel halte
Und des Reichs in Treuen walte.

Sein gefürstet Banner trage
Jeder Stamm, wie er’s erkor,
Aber über alles rage
Stolz entfaltet eins empor;
Hoch, im Schmuck der Eichenreiser,
Wall‘ es vor dem deutschen Kaiser!

Wenn die heil’ge Krone wieder
Einen hohen Scheitel schmückt,
Aus dem Haupt durch alle Glieder
Stark ein ein’ger Wille zückt:
Wird im Völkerrat vor allen
Deutscher Spruch aufs neu erschallen.

Dann nicht mehr zum Weltgesetze
Wird die Laun‘ am Seinestrom,
Dann vergeblich seine Netze
Wirft der Fischer aus in Rom,
Länger nicht mit seinen Horden
Schreckt uns der Koloss im Norden.

Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
Klarer Geist und scharfer Hieb
Zügeln dann aus starker Mitte
Jeder Selbstsucht wilden Trieb,
Und es mag am deutschen Wesen
Einmal noch die Welt genesen.

Tja, etwas aus dem Zusammenhang gerissen und schon stellt es sich komplett anders dar.

Ähnlich verhält es sich in der Familienforschung.

„Oma hat im Knast eingesessen!“. Ohh eine Verbrecherin!? Mitnichten, denn sie wurde beim Handel auf dem Schwarzmarkt erwischt. Warum tat sie dies? Um sich und ihre 5 Kinder durchzubringen…

Worauf ich also hinaus will: Auch in der Familienforschung sollte man bei Ereignissen welche die Vorfahren betreffen immer an die Umstände der damaligen Zeit denken.

Ihre Andrea Bentschneider

PS: Meine Oma saß wirklich ein, aber weil sie einen Laib Brot stahl…

 

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