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7. Das Lehrmädchen meines Großvaters Eduard


Es müssen nicht nur Verwandte sein, die mein Leben bereichert haben, seit „Von wem habe ich das bloß“ erschienen ist. Ich habe im vierzehnten Kapitel ausführlich über die Rekonstruktion des Lebens meines Großvaters Eduard geschrieben. Nachdem im „Trierischen Volksfreund“ ein Artikel über meine Trierer Wurzeln erscheinen war, meldetet sich eine ältere Dame in der Redaktion des Regionalblatts. Den Herrn Eduard Andrack hätte sie sehr gut gekannt und ich sehe wirklich aus wie sein Sohn Edgar, ihr Edgarchen, könne es aber vom Alter kaum sein. Natürlich nicht, das „Edgarchen“ ist ja auch mein Vater.

Ich kontaktierte Frau Becker, so der Name der Dame, und traf mich mit ihr in Trier. Ganz schön rüstig stürmte sie in das Restaurant und fing sofort an zu reden wie ein Wasserfall. Drei Stunden erzählte sie am Stück.

Sie hatte sich, Jahrgang 1923, als 14-jährige im Geschäft meines Großvaters als Lehrmädchen beworben. Mein Großvater hatte 1937, vor dem Krieg, noch nicht das Füllfederhalterfachgeschäft, das er nach dem Krieg betrieb, sondern einen Fachhandel für Büromaschinen. Nach einem kurzen Vorstellungsgespräch hatte Maria Becker den Job, wie man heute sagen würde. Mein Großvater Eduard hatte wohl eine stattliche Anzahl von Lehrlingen bis zu diesem Zeitpunkt verschlissen. Ein wirklich einfacher Mensch war er wohl nie gewesen. Aber mit Maria kam er anscheinend hervorragend aus. Sie war auch noch über 70 Jahre nach ihrer Einstellung völlig begeistert von meinem Großvater und schwärmte in einem fort von ihm. Sie habe so viel dort gelernt, vor allem einen gewissen Sinn für Ordnung. Dann begann der Krieg und Maria wurde evakuiert. Zu Beginn des Kriegs? Ja, Trier lag nahe der luxemburgischen Grenze und man hatte vor dem Frankreichfeldzug mit einer größeren Gegenwehr des Gegners gerechnet und sicherheitshalber Kinder aus dem Grenzgebiet evakuiert. Das war aber nicht mit meinem Opi zu machen. Er rief sie in der Evakuierung an, sagte, Trier sei gar nicht gefährdet, er brauche sie aber im Geschäft und so kam sie zurück. Man muss eben Prioritäten setzen.

Nach Beginn des Kriegs wurde mein Großvater Eduard eingezogen und Maria beendete ihre Lehre in der Familie Andrack und lernte dort das Edgarchen kennen. Das Edgarchen ist ja jetzt schon selber im Pensionsalter. Sie verließ mich aber mit einem weiteren Familiengeheimnis: Maria Becker schwor Stein und Bein, nie die Schwester meines Vaters, die 1938 geboren worden war, gesehen zu haben. Hmmm, sehr mysteriös. Maria Becker hatte mir Informationen gegeben und mehr Rätsel aufgegeben. Die Beschäftigung mit der Familienforschung ist eben eine endlose.

Ihr
Manuel Andrack

Nächste Woche geht es weiter mit dem 8. und leider letzten Beitrag: Der Segen der Ahnenforschung oder: Die Erweiterung der Familienbande

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