Oder: Deutsch für Inländer

Ich bin ein Hamburger und werde mir später zum Kaffee einen Berliner gönnen. Also das oben abgebildete Teil meine ich. Wenn Sie nicht aus kommen, werden Sie dazu wahrscheinlich Pfannkuchen sagen. In ist ein Pfannkuchen, das was Sie wahrscheinlich Eierkuchen nennen würden…  OK, dass es regional andere Ausdrücke für ein und dasselbe Wort gibt ist bekannt, aber woher kommen diese? Mich hat mal wieder eine Mail einer treuen Leserin dieses blogs aus Bayern erreicht.

Sie hat den berühmten Dachbodenfund gemacht und ist auf alte Briefe gestoßen. Lange Geschichte kurz erzählt: Es waren in diesen Briefen Wörter die Sie so noch nie in den Voralpen gehört hatte. Sie hat die Bedeutung zwar im Internet gefunden, aber will nun wissen, wieso es solche Unterschiede gibt.

Servus Oachkatzelschwoaf sag I…

Abgesehen von regional gefärbten Dialekten (hier sagt man übrigens Eichhörnchenschwanz zu Oachkatzelschwoaf) gibt es Ausdrücke, die entweder von den Flüchtlingen „mitgebracht“ wurden oder auch durch Besatzung „eingeschleppt“ wurden und sich im Sprachgebrauch verankert haben. So wird es im Ruhrgebiet durch die in der Mitte des 19. Jahrhunderts stark ansteigende Migration aus Ost- und Südosteuropa sicherlich andere „regionale“ Wörter geben, als hier im hohen Norden.

Hier in Norddeutschland haben die Franzosen ihre sprachlichen Spuren hinterlassen. Teils durch die Hugenotten, teils durch die Besatzer Hamburgs zwischen 1806 und 1814. Und nicht nur in der Sprache finden sich die Einflüsse wieder:

Fuffzehn Mann auf des toten Manns Kiste,
Ho ho ho und ’ne Buddel mit Rum!

Tja unsere Piratenfreunde haben mal ’nen kräftigen Schluck aus der Buddel genommen, Buddel (hochdeutsch: Flasche) kommt von dem franz. Wort für Flasche  also „bouteille“. Moment mal wird der geneigte Leser nun sagen, die Seeräuber waren doch bereits vor 1806 unterwegs… Stimmt. Als die Niederländer vor 800 Jahren die Weser- und Elbmarschen kolonisierten, haben sie Wörter französischen Ursprungs mitgebracht, denn sie standen unter dem Einfluss der französischen Oberschicht. Daher sind für mich als Hamburger Deern Worte wie Filou, Schisslaweng, Mamsell oder plümerant keine Fremdwörter.  Ebenso haben fremde Redewendungen einen Einfluss auf die Sprache (siehe hierzu diesen Beitrag )

Man formte die Sätze so einfach um wie man diese verstand. Ich könnte nun das Beispiel „Iss Deinen Teller leer, dann scheint morgen die Sonne“ anführen, aber mittlerweile weiß ja fast jeder, das dieses aus dem Platt kommt und eigentlich: Iss deinen Teller leer dann gibt es morgen Gutes „wedder“. Also „aufessen, dann gibt es morgen wieder etwas Leckeres“ und aus dem wedder (wieder) wurde halt Wetter.

Wie sang Heidi Kabel immer: In Hamburg sagt man Tschüß… (was übrigens eine Ableitung ist von „atschüs“ wofür– und hier sind sich die Sprachwissenschaftler noch nicht ganz einig: das spanische „adiós“, das französische „adieu“ oder niederländische „adjüs“ Pate standen.) Wie gesagt, Tschüß, ich muss mir nun den Feudel schnappen die Küche wischen.

PS: Ein Feudel ist ein Wischlappen. Das Wort stammt vom französischen Wort „voile“ (Schleier oder Kopftuch) ab, aber inzwischen wischen wir mit dem Schleier den Boden.

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